Anti aircraft

Itschert, E. A. et al., Feuer frei, Kinder! - Eine mißbrauchte Generation - Flakhelfer im Einsatz, Saarbrücken, 1984

The mission of the anti-aircraft units (flak) in the Saarbrücken area was to defend the important center of industry on the Saar against air raids. There were both heavy and light flak batteries. Towards the end of the war these units were transferred to other areas.

Die Aufgabe der Flakeinheiten im Saarbrücker Raum bestand darin, das wichtige industrielle Ballungsgebiet an der Saar gegen Luftangriffe zu verteidigen. Es handelte sich sowohl um schwere als auch um leichte Flak. Gegen Ende des Krieges wurden die Einheiten in andere Gebiete verlegt.

Struktur der Einheiten im Raum Saarbrücken
Structure of units in the Saarbrücken area

  • Flakuntergruppe Saarbrücken (Abt. 631): schwere Flak
    Flak Subdivision Saarbrücken (Abt. 631): heavy flak

1./631

2./631

3./631

4./631

5./631

6./631

Winterberg
(Nov. 1944
Limbach)

Hauptbahnhof,
später Kieselhumes
(Nov. 1944 Einöd)

Reichsbahn-
ausbesserungswerk Burbach
(Nov 1944
Altstadt)

Bellevue
(Jan. 1945 Beeden)

Kieselhumes
(Nov. 1944 Mörsbach)

Gersweiler
(Nov. 1944 Schwarzenacker)

alle Einheiten zwischen Dez. 1944 und Febr. 1945 in den Raum Kaiserslautern verlegt
between Dec. 1944 and Feb. 1945 all units transferred to the Kaiserslautern area

  • Flakuntergruppe Völklingen (Abt. 632 bzw. 903): schwere Flak
    Flak Subdivision Völklingen (Abt. 632 resp. 903): heavy flak

1./632

2./632

3./632

4./632

Wehrden

Klarenthal

Völklingen

Bous

alle Einheiten im Okt./Nov. 1944 nach Kaiserslautern verlegt
in Oct./Nov. 1944 all units transferred to Kaiserslautern

  • Flakuntergruppe Burbach (Abt. 976): leichte Flak
    Flak Subdivsion Burbach (Abt. 976): light flak
    Batterien in Saarbrücken, Brebach, Völklingen und Dillingen

Durch den Einsatz der Saarbrücker Flak fielen etwa 160 alliierte Flieger. Bei den Gefechten fanden auch 34 Männer, die bei der Flak eingesetzt waren, den Tod (Luftwaffenhelfer, RAD-Männer, sowjetische Kriegsgefangene) sowie 3 Stabshelferinnen. Die Batterien bekamen den Abschuss von 51 viermotorigen Bombern, 7 zweimotorigen Bombern und 26 einmotorigen Jagdmaschinen anerkannt.

During combat 160 allied fliers were KIA as a result of flak fire from the batteries in the Saarbrücken area. On the other hand 34 men stationed with the Saarbrücken flak units were killed (Luftwaffe helpers, Labor Service men, Soviet POWs) as well as 3 female auxiliaries. The batteries were credited with shooting down 51 four-engined bombers, 7 twin-engined bombers and 26 single-engined fighter planes.

Saarbrücker Zeitung, 14.11.1998
Statt Mathe und Latein Unterricht am Flakgeschütz
Am Volkstrauertag gedenken ehemalige Luftwaffenhelfer wieder ihrer
gefallenen Klassenkameraden
21 Schüler starben im Mai und August 1944 in Saarbrücken

Am Volkstrauertag stehen sie wieder vor den Gedenksteinen ihrer gefallenen Klassenkameraden: Männer im Alter um die siebzig werden sich dann an die Zeit zurückerinnern, als sie vor 55 Jahren gemeinsam die Schulbank drückten. Mit ihren 15, 16 Jahren mußten sie damals die Brutalität des Krieges als Luftwaffenhelfer miterleben. Dabei hatte für sie doch alles zunächst als vermeintlich großes Abenteuer begonnen.

Als die Schülerjahrgänge 1926, und wenig später auch 1927, der Saarbrücker Gymnasien als Luftwaffenhelfer einberufen wurden, verteilte man sie auf verschiedene Flakstellungen in der Stadt. Winterberg, Kieselhumes, Bellevue und Füllengarten waren die einzelnen Standorte. Für die Obertertianer und Untersekundaner war es vordergründig wichtig, der Penne entronnen zu sein. Schon bald stellte sich tatsächlich heraus, daß der Unterricht, der parallel zur Ausbildung in den einzelnen Flakstellungen ablief, nicht regelmäßig gehalten werden konnte.

Links: Klassenfoto. Das Foto zeigt Flakhelfer der 4. Batterie an der Saarbrücker Bellevue mit ihrem Klassenlehrer, die gerade zum Unterricht in der siebten Klasse angetreten sind.
Rechts: Kleiderappell. Die Luftwaffenhelfer auf der Saarbrücker Bellvue mußten sich dem militärischen Drill fügen, das heißt, Kleiderappelle über sich ergehen lassen, korrekten Bettenbau vorweisen und Ordnung im Spind halten.

Jedesmal, wenn Feuerbereitschaft angeordnet wurde, mußten die Luftwaffenhelfer an den Geschützen, am Funkmeßgerät oder am Kommandogerät Dienst tun. An Unterricht war dann natürlich nicht zu denken. Und wenn während der Mathematikstunde die Glocke in der Kantine, die zum Unterrichtsraum umfunktioniert worden war, läutete, dann herrschte darüber keineswegs trübe Stimmung. Gab es während der Nacht Fliegeralarm, fiel der Schulunterricht am folgenden Tag ganz aus. So hatten die Lehrer, die von den Schulen abgestellt waren, keine leichte Aufgabe, zumal die Luftwaffenhelfer sich gern in der Rolle eines Beschützers der Heimat sahen, und wenig Interesse an Fächern wie Latein, Physik oder Mathe zeigten. Nicht alle Lehrer sahen das ebenso. Einige gingen mit Fünfern, Sechsern und entsprechenden Bemerkungen auf dem Zeugnis nicht gerade sparsam um.

Nach einer kurzen Grundausbildung waren die Luftwaffenhelfer bald soweit, daß sie an allen Geräten Dienst tun konnten. Die Kriegslage hatte sich Anfang 1943 schon derart verschlechtert, daß die Mannschaften der Flakeinheiten an die Ostfront abkommandiert worden waren, und die Luftwaffenhelfer deren Funktionen in der Stellungen übernahmen. Da die Schüler fast ausnahmslos aus Saarbrücken und der näheren Umgebung waren — nur der Kieselhumes-Batterie waren auch einige Neunkircher Gymnasiasten zugeteilt — ließ sich die Kasernierung relativ leicht ertragen. Zweimal im Monat gab es Wochenendurlaub, und zusätzlich zweimal Urlaub im Jahr. Abends, nach Dienstende, konnten auch die Eltern zu den Flakstellungen pilgern, und ihre Sprößlinge mit Zusatzrationen an Lebensmitteln versorgen.

Meist lagen die Luftwaffenhelfer zu sechst auf einem Zimmer. Da sie ja bei einer Militäreinheit Dienst taten, mußten sie sich auch dem militärischen Drill fügen, das heißt, Kleiderappelle über sich ergehen lassen, korrekten  Bettenbau vorweisen, und Ordnung im Spind halten. Das war nicht so nach dem Geschmack der Helfer, bei denen auch der strenge Fußdienst keine große Begeisterung auslöste.

Doch das waren kleine Unannehmlichkeiten gegenüber dem, was nun folgen sollte. Denn inzwischen war die Kriegslage immer bedrohlicher geworden, und auch die Luftangriffe auf Saarbrücken häuften sich. Immer öfter mußten die Luftwaffenhelfer nachts aus den Betten, wenn Feuerbereitschaft ausgerufen wurde. Auch wenn sich später herausstellte, daß die georteten amerikanischen oder britischen Maschinen Saarbrücken nicht direkt anflogen, mußten alle gefechtsbereit sein, weil die Bomber oft ihren Kurs änderten.

Am Geschütz. Statt Mathe und Latein zu pauken, wurden die Schüler am Geschütz ausgebildet. Bei schweren Luftangriffen am 11. Mai 1944 starben in der Stellung 16 Helfer, bei einem weiteren Angriff am 11. August 1944 fünf Schüler auf dem Kieselhumes.

Im Februar 1943 waren die ersten Luftwaffenhelfer eingezogen worden. Was sie erlebten und erlitten, haben vier ehemalige Helfer, Dr. Hans Stiff, Dr. Gerd Schuster, Ernst ltschert und Marcel Reucher in ihrem Buch: „Feuer frei — Kinder, eine mißbrauchte Generation" festgehalten, Während die erste Generation der Helfer im Frühjahr 1944 zur damaligen Wehrmacht eingezogen wurde, rückten die Jahrgänge 1927 und 1928 an ihre Plätze nach. Sie erlebten eine Serie schwerster Luftangriffe auf Saarbrücken. Bei einem Angriff am 11. Mai 1944 starben in der Stellung 16 Helfer, bei einem weiteren Angriff am 11. August fünf Schüler auf dem Kieselhumes. Seit vielen Jahren treffen sich am Volkstrauertag die „Ehemaligen", um dieser toten Klassenkameraden zu gedenken.

HEINZ KÖLLING

11.05.1944

11.08.1944

Oben: Gedenktafel auf der Saarbrücker Bellevue
Rechts: Gedenkstein auf dem Saarbrücker Kieselhumes

Above: Memorial plaque on the Bellevue in Saarbrücken
Right: Memorial stone on the Kieselhumes in Saarbrücken

Fotos/Photos: Stefan Reuter

Inschrift der Gedenkstätten (Abschrift von Stefan Reuter)

Fotos der Flak im Raum Saarbrücken
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Photos of Flak in the Saarbrücken area
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Fotos von Flakangriffen auf Flugzeugformationen
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Photos of flak attacks on aircraft formations
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